Die Etappe heute wird es in sich haben. Das war mir bereits bei der Planung zu Hause klar: An den 2,5 Tagen Hochschwab-Überschreitung habe ich bzgl. der Logistik und jetzt im September mit den temporär geschlossenen Hütten im Privat-Jagd-Gebiet wahrscheinlich insgesamt länger herum geschraubt als die Begehung an Zeit erfordert.
Das Wetter ist traumhaft, aber die Sonne wird im Tagesverlauf schon auch schlauchen -obwohl es bereits Ende September ist.
Noch werfe ich allerdings laaaaaaange Schatten als ich nach dem Frühstück kurz vor 08:30 Uhr endlich mal losspaziere...
Gen Hochschwab-Gipfel geht es gleich mal in den Anstieg, aber der nette Pfad, den ich gewählt habe (hätte rechts auch noch eine Alternative über die Schulter gegeben), liegt partiell sogar noch im Schatten:
Die Aussicht, Fernsicht und Übersicht ist ein Traum. Obwohl die Hütte ganz gut besucht war, bin ich ziemlich alleine unterwegs und nur in der Ferne kann ich immer mal ein paar Leute ausmachen.
Der Blick zurück zum Schiestlhaus (2.156 m):
Vorher allerdings noch ein Gipfelfoto ganz alleine am Hochschwab, auf 2.277 Metern über der Adria.
Nachdem ich - bei dieser Sicht - NICHT vorhabe, die Steilwände des Hochschwab-Massivs hinunter zu purzeln - was im August bei schlechter Sicht wirklich eine gute (im Sinne von naheliegende) Option gewesen wäre (gut, daß ich auf Gert gehört habe) werde ich stattdessen mal lieber leicht abwärts und dann in einem langgezogenen Bogen leicht nach rechts diesem Pfad durch's Grüne folgen, der sich bereits von hier oben deutlich im Gelände abzeichnet:
Das legendäre Janosch-Tigerenten-Biwak (Arbeitstitel bzw. Spitzname) kann (und will) ich nicht einfach links liegen lassen, sondern gehe stattdessen einfach ganz frech links daran vorbei, um es rechts mal aktiv geöffnet, statt nur passiv liegen gelassen zu haben ;-)
Bei Unwettern oder schlechter Sicht kann das wahrlich Leben hier oben retten !
Auf dem Weiterweg kann ich erst etliche Gämsen unweit erspähen und dann in der Ferne noch tierische Bewegungen erahnen.
Als ich später näher komme, traue ich meinen Augen fast nicht.
Jetzt analysiere erstmal jeder selbst das kleine Suchbild...
Handgezählte 34 Steinbock-Weibchen und -Jungtiere kleben da am Fels.
Herrlich !
Was eine Tour...
Das Gelände ist wellig, aber aktuell verliere ich im Schnitt an Höhe.
Das Gelände wird fast Canyon-artig, bevor es dann bei der Häuslalm wieder seinen Charakter ändert.
Hier hätte ich EIGENTLICH gerne übernachtet, aber die Häuslalm ist eine der beiden Unterkünfte, die im September geschlossen hat:
Von den kästenweise Getränken ist so gut wie nichts mehr da und die Vertrauenskasse hoffentlich gut gefüllt (ich entrichte zumindest auch einen großzügigen Obulus), aber das weltraumaeffchen hätte seine helle Freude: Energy-Drinks gibt es noch in rauen Massen. Und irgendwelchen Alkohol :-(
Naja, eine Cola ist besser als nichts und Koffein und Zucker stärken schon auch: Ich habe ja noch EINIGES vor mir.
Also nichts wie weiter und durch eine Bilderbuchlandschaft...
An der Sackwiesenalm vorbei, hinüber zur Sonnschienhütte: Dort ist einiges los. Also menschenmäßig. Etlichen war augenscheinlich (gar) nicht klar, daß hier gerade zu ist. An dieser Stelle gibt es aber weder Getränke noch Wasser, sondern einfach gar NIX.
Darum mache ich auch nichtmal eine Pause, sondern gehe weiter und bin ratz-fatz wieder in der absoluten Einsamkeit, wo mir nur ganz ganz selten mal 1-2 Menschen begegnen.
Das Wetter ist absolut stabil - wie es häufig im Spätsommer ist - und nur der Hang bröselt hier, wobei das Stahlseil zur Begehung hilft...
Ab und an kann ich (wie hier) einen Blick auf meinen weiteren Weg und zur Orientierung auf Bergflanken oder -Gipfel am Weg werfen:
Stellenweise muß ich Steinschlag-gefährdete Steige nur die steilen Flanken begehen, da gebe ich mal lieber etwas Gas...
Zuweilen ist das aber scheinbar nur in die Gegenrichtung gefährlich, denn nur in jene wird darauf hingewiesen ?
Etwas später sieht das (ganz) anders aus: Der Dr.-Kotek-Steig, an der Südost-Seite der Langstein-Wand ist seit 13. August 2025 wegen Steinschlag gesperrt und so professionell wie die Umleitung ausgeschildert ist, nämlich NICHT als "Umleitung", sondern eher auf dauerhaft ausgelegt, gehe ich davon aus, das man hier künftig immer den Schlenker über die Neuwaldalm einplanen sollte...
Leider habe ich den Schwarzen Edding wieder vergessen (Sa, 04. Juli 2026: für den nächsten "Ausflug" in den Rucksack gepackt ;-), um bei Bedarf Wegweiser zu ergänzen und Aufkleber für die Wege werde ich ja auch ab 2026 dann Bord haben (der Obmann der ÖAV-Weitwanderer wird mir entsprechendes Material im März 2026 bei der Hauptversammlung in Wien für die verbliebenen fünf Weitwanderwege zur Verfügung gestellt haben), weil ich das ja am hinter mir liegenden Ende des 05ers im August bereits lautstark eingefordert hatte: Tag 20
Bin ich jetzt zu viel hin und her gesprungen ?
Kompletter gordischer Knoten im Hirn ?
(Gedanklich) Verlaufen ?
Hier kann einem DAS mit ziemlicher Sicherheit passieren, wenn man NICHT auf die Idee gekommen ist, eine 180°-Wendung direkt unterhalb der Neuwaldalm einzulegen, denn markiert ist NIX :-(
Ich suche hier den Schatten für eine Pause auf, leider gibt es auch hier kein Wasser, wie an allen geschlossenen Alm zuletzt am Weg (Kulmalm, Hörndlalm, Sonnschienalm).
Gut, daß ich mir meine (Wasser-)Rationen ordentlich eingeteilt habe.
Die Wand des Langstein lasse ich rechts von mir liegen, steige wieder auf und biege dann scharf rechts ab, als ich wieder auf den eigentlich Weg komme, um am Fuß der Frauenmauer entlang zu gehen und weiter nach Süden.
In der Ferne kann ich bereits den Hirscheggsattel erahnen, was mein letzter großer Übergang für heute ist:
Von dort oben kann ich dann über die Leobner Hütte hinweg den freien Blick gen Süden schweifen lassen.
Im August - nach Originalplan - hätte ich ja in der kleinen Hütte, die ehemals die Kumpel eines kleinen Bergwerks beheimatete, übernachtet, aber jetzt zische ich nur schnell einen Liter Schorle weg (das Foto ist NICHT colorstichig, farbverfälscht oder von der KI mit Halluzinationen versehen worden, das gelb ist real !) und das eine oder andere Kuchenstückchen mit Kalorien zur (nötigen) Stärkung für den Rest des Weges...
... und dann geht es auch schon weiter in den Knappensteig: Auf meiner vorletzten 05er-Etappe habe ich eigentlich den technisch anspruchsvollsten Part nach knapp 30 Kilometern jetzt gerade vor bzw. im Foto schon hinter mir:
Ich blicke nochmal zurück und mittlerweile sind es natürlich nicht mehr die morgendlichen Schatten (wie beim Start nach dem Schiestlhaus), sondern die abendlichen, denn Ende September steht die Sonne ja auch nicht mehr so lange am Himmel.
Durch den Wald geht es nach Querung eines Skigebiets auf einem Pfad hinab.
Kurz geht es noch schlängelnd durch ein Totalabholzungsgebiet.
Dann stehe ich am Präbichlpaß im Schatten auf gut 1.200 Metern:
Ein weiterer, dieser Pässe, die ich QUERE und *schwupps* befinde ich mich nach knapp 8 Stunden Spazierzeit auch bereits im Schlußanstieg zu meinem heutigen Quartier, dem Präbichlerhof.
Puh, das war eine ganz schöne Etappe !
In vielerlei Hinsicht !!
Nachdem ich heute tagsüber (von der Sonne) gegrillt worden war, gönne ich mir nach AUSGIEBIGER Dusche und einem Schläfchen einen Grillteller und während nebenan bestimmt bei der Hochzeit noch lange der Bär steppt, steppe ich alsbald nur noch müde die Treppe zu meinem netten Zimmerchen nach hintenraus die letzten Höhenmeter des Tages hoch und falle in einen erholsamen, ganz tiefen Schlaf...
Begegnungen:
- 5 Gämsen
- 9 Gämsen
- 34 Steinböcke
- 1 kleiner Maulwurf
Gipfel/Übergänge > 2.000 m:
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