Der Start in MEINE letzte Etappe, aber die numerisch fortlaufend 13. am Nord-Süd-Weitwanderweg (WWW 05) gestaltet sich erneut wie im Bilderbuch: Blauer Himmel, Sonnenschein...
Allerdings ist heute, am Sonntag gefühlt die Hölle los, hinauf gen Reichensteinhaus.
Immer wieder lasse ich meinen Blick schweifen, während ich gemütlich bergauf spaziere - ich habe heute ja EIGENTLICH nur eine mittellange Etappe bis zum Auto vor mir (aber dazu bzw. zu dem was dann kommt später mehr...) und muß dann nur noch nach Hause fahren, um rechtzeitig zur Arbeit morgen Früh wieder parat zu sein.
Der Bergbau - insbesondere der Tagebau - ist hier (unweit von Leoben) schon deutlich in der Landschaft zu sehe:
Sehr treffen heißt der Ort im Tal dann auch einfach "Eisenerz" - die Österreicher machen es zuweilen halt einfach kurz, prägnant, schmerzfrei.
Vor mir teilt sich der Weg und weil es meine allerletzte Etappe ist, will ich mal gleich gar nicht mehr riskieren und gehe den "Warmduscher"-Weg den Hang querend und dann in Serpentinen hoch, statt Kraxelei.
Später kommen die beiden Wege sowieso wieder zusammen. Die Extra-Tour auf den Gipfel des "Eisenerzer Reichenstein" (2.165 m) spare ich mir:
Stattdessen folge ich einem der Schilder von früher, direkt zur Hütte auf eine kleine Stärkung...
Über ein Hochplateau führt mich mein Weg dann weiter und weg vom Menschenmassentrubel.
Ich schaue nochmal zurück zur Hütte, die just einen ihrer letzten Tage hat: Sie schließt in wenigen Tagen und wird abgerissen und steht nächstes Jahr gar nicht für Übernachtungen zur Verfügung.
Mal sehen, ob die kleine ÖAV-Sektion Leoben diesmal ein besseres Händchen hat: Nachdem der Erstbau von 1898 mit Umbauten bis 1980 stand, waren dem Nachfolgebau nun also nichtmal 50 Jahre vergönnt, dem zweiten Teil von 1989 nichtmal 40 Jahre !
Daß die Naturgewalten die Bau-Substanz auf gerade einmal 2.136 Metern, hier in den Ennstaler Alpen derart schnell dahin gerafft haben, erscheint mir schon bemerkenswert bis auffällig...
Am Ende des Hochplateaus beginnt ein WIRKLICH steiler Abstieg.
Puh, da muß ich mich wirklich konzentrieren, zusammenreißen, Schritt für Schritt und ganz langsam gehen und auf dem Reichhals-Sattel erstmal verschnaufen und mit dem Blick den weiteren Routenverlauf gen Südosten an der Wand entlang zum Krumphals-Übergang abscannen:
Es ist heute nochmal richtig heiß !
Ich schaue nochmal zurück gen Reichhals...
Und dann führt mich mein Weg über den Sattel hinab in einen Kessel:
Traumhaft schön hier und einige Menschen sind gerade beim Baden. Und das am 21. September !
Ich habe mir für die fehlenden 2,5 Etappen hier in der Gegend gegen Ende der Saison wirklich ein traumhaftes Wetter gebucht und es war OHNE jeden Zweifel die richtige Entscheidung, im August den Abschnitt hier bei widrigen Witterungsverhältnissen auszulassen.
Fast ein wenig wehmütig, noch ein WEITERER Blick zurück - diesmal zum Krumphals - denn so langsam geht meine tolle Zeit am 07er Nord-Süd-Weitwanderweg zu Ende: Spontan angedacht, im Hochsommer losgezogen und nun im Frühherbst auch schon fast beendet.
Nur dieses Tal gilt es noch hinaus zu laufen...
Die Abstiege ziehen sich jetzt allerdings etwas und es ist nochmal RICHTIG heiß, was man in den nun tieferen Lagen auch mehr und mehr merkt - obwohl ich ja meist im Schatten unterwegs bin.
Auf der Hirnalm kehre ich kurz ein, lasse mich von Katzen beäugen und werfe selbst einen Blick auf ein etwas schiefes Schild im Auftrag des Herrn (es erfolgte natürlich umgehend Meldung an den Obmann !).
Statt nun der geschotterte Fahrstraße talauswärts gemütlich zu folgen, habe ich mich entschieden (von ÖAV-Granden unterstützt), noch etwas verrücktes zu tun...
... und (wieder) bergauf zu wandern:
Durch eine Kuhherde geht es erst weglos bergauf, aber irgendwann stoße ich wieder auf Markierungen bzw. Wegweiser.
Und auch wenn ich auf dem Forstweg danach - bzw. dem vermeintlichen Pfad meiner weiteren Route - so geht es doch gut voran und ich komme schließlich nicht endgültig ab vom Pfad der (Wander-)Tugend.
Am letzten Berg (naja, wohl eher Hügel) scheiden sich dann Wege und (gute) Geister:
Den Geocache dort habe ich zwar umgehend gefunden (nachdem ich mal gesucht hatte - was ich sonst ja eher mehr weniger tue), allerdings wird mir später aufgefallen sein, daß meine Wegewahl nicht so ganz astrein war.
Irgendwie realisiere ich nämlich, dass ich irgendwo unterhalb und neben meiner geplanten Route unterwegs bin, nachdem ich immerhin den direkten Abstieg gen Osten ins Tal stoppen konnte, weil ich doch eigentlich nach Süden muß.
An sich auch erstmal kein Problem: Ich folge einer Forststraße in die richtige Richtung und gefühlt nur einen Steinwurf unterhalb des eigentlichen Wanderwegs.
Bis zum Hammer.
Nein, nicht der idiotisch bezeichnete und von der Bild-Zeitung sinnfrei aufgebauschte "Heizungshammer" (habe seit 7 Jahren Wärmepumpe und kann mir seither mehr Meer-Urlaub leisten als vorher).
Nein, hier wurde mir auch von niemand anderem "reinregiert" (und schon gleich gar nicht in den Keller) - welche verblödete Formulierung: Sorgen Entscheidungen von Regierungen (nennt man wohl "Gesetz") nicht in der Regel dafür (deswegen sind das wohl auch "Regeln"), daß sie in das Leben der Menschen eingreifen - und sei es nur, um das miteinander aller Menschen (Bezeichnung: "Gesellschaft") in geordnete, friedliche und halbwegs auskömmliche Bahnen zu lenken ("Bahn" steuern, you know, braucht "Steuern" [Geld], Entscheidungen und Handeln [ohne Feilschen]) ?
Zurück zum Text -äh- Weg: Wendehammer.
Hat nix mit Glasnost, Perestroika oder Wiedervereinigung zu tun, sondern mit Straße zu Ende und grüner Wand:
:-o
Laut GPS gibt es keine Alternative: Das ist ein totes Gleise. Der Weg endet hier.
ABER: Luftlinie müßte es geradeaus in überschaubarer Entfernung - also, wenn man durch die Mauer denn etwas sehen könnte - eine andere Forststraße - und deutlich tiefer gelegen - geben, wo eine Serpentine auf der gedachten Fortführung tangential zu erhaschen sein könnte.
Also Augen zu und durch sowie nix wie rein in/durch den Urwald...
Von unten kann ich im Anschluß schon fast wieder lächeln.
Wenig später treffe ich auf meinen eigentlich Wanderweg: Ein klasse Trampelpfad in direkter Richtung gen Süden, der wohl einfach auf dem Kamm entlang geführt hat:
Die Richtungsangaben und roten Markierungen sind von nun an ein-eindeutig, auch wenn ich hier für den direkten Weg schlicht und einfach zu fett war:
Eine letzte Pause an der Versöhungskapelle Hafning an einer Lichtung nur wenig oberhalb vom Ortsrand von Trofaiach - mein Auto konnte ich aus der Ferne schon sehen - und auch ich bin wieder versöhnt mit meinem letzten (Tollen) Tag am WWW05, den ich so eben noch ein wenig länger auskosten konnte...
Und wer sich jetzt fragt, wo er denn da zuvor mit seinen Gedanken war, würde mein Vater wohl kontern mit "welche Gedanken ?" und ansonsten ist die sprichwörtliche Fortsetzung/Antwort auf die initiale, titelgebende, tiefschürfende Frage (oder warum die Wahrheit in Schweinau zu suchen ist: Metzgerei Boggnsagg - oder wer weniger Theorie mag, Audio auf Youtube):
A: "Da, woos highört."
F: "Däss glaab-i net!"
Begegnungen:
- 1 weiße Katze kurz vor der Hirnalm
- 1 Tiger-Katze auf der Hirnalm
- 1 Eichelhäher
Gipfel/Übergänge > 2.000 m:
- Reichensteinhütte (2.136 m)
- Reichenhals (2.032 m)
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